In Wilhering wird gebetet

von Hubert Nitsch, Kunsthistoriker, Kurator

Im Stiftsinneren findet sich eine neu gestaltete Chorgebetskapelle im historischen Kapitelsaal. MARCH GUT entwickelten ein neues Chorgestühl im analytischen Austausch mit der Klostergemeinschaft. Die Schaffung eines Gebetsortes wurde verbunden mit der Natürlichkeit der Materialien, mit der Ressourcenfrage oder ergonomischen Grundlagen , aber auch theologischer Beratung und Beachtung von Grundsätzen der Denkmalpflege. Letztendlich wurde ein klassisches Chorgestühl aus dem Holz der Eichenbäume des Stiftswaldes geschaffen. Das Konstruktionsprinzip des Gestühls vermeidet jegliche Schrauben oder Nägel und wurde nur mit Steckverbindungen ermöglicht. Zusätzliche Elemente wie Altar, Ambo, Konsolen, Zusatzbänke oder die Tür folgten auch dem Prinzip der Einfachheit. Der Ambo wurde weiß geölt, der Altar schwarz. Beide Elemente sind wie Rahmen ineinander schiebbar und haben eine Referenz auf das Ordensgewand der Mönche. Die Höhe und Breite der Objekte wurde in den Handspannen von Abt Reinhold Dessl und Hubert Nitsch (Entwurf u. Konzept) vermessen. Die Tür wurde als freistehender Rahmen mit zwei Türflügeln aus Holz konzipiert, um die Substanz des romanischen Türbogens nicht zu verletzen. Der Zwischenbereich zwischen Türbogen und Steingewände wurde in Glas ausgeführt und bietet Einblick in die Kapelle.

Fotograph: Kurt Höbst